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HINTERM HORIZONT - 25 Jahre Mauerfall

Am 9. November 1989 öffnete sich die Grenze zwischen Ost und West – Jubiläum am 9. November 2014

HINTERM HORIZONT - 25 Jahre Mauerfall

Lindenberg und das Ensemble traten live vor Ort aufAm Sonntag, den 9. November 2014, ist Udo Lindenberg anlässlich der Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum mit den Darstellern des Musicals vor dem Brandenburger Tor aufgetreten. Während dem offiziellen Festakt präsentierte Lindenberg mit dem Ensemble des HINTERM HORIZONT-Musicals die besten Hits des Stücks. Das Konzert hat in etwa 40 Minuten gedauert und nach dem Abspielen der Nationalhymne begonnen. Das Konzert selbst wurde nicht nur von heimischen Sendern wie der ARD, sondern auch von internationalen Fernsehformaten übertragen. So waren die britische BBC sowie der österreichische ORF vor dem Brandenburger Tor und haben den Event gefilmt.

Der Festakt 25 Jahre Mauerfall

Um 22 Uhr fand – am selben Tag – auch ein Live-Talk zum Thema Mauerfall statt. In der Sendung des RBB “Grenzenlos – 25h Mauerfall”, war wieder Josephin Busch vor Ort. Dieses Mal interviewte sie aber nicht selbst, sondern war zu Gast. Geführt wurde die Diskussion von Jörg Thadeusz; die Sendung fand im Asisi Mauer Panorama statt – direkt am Checkpoint Charlie. Das Thema der Sendung war vor allem die Geschichte und Entstehung der Mauer, der Mauerfall sowie die Erfahrungen, welche rund um das Jahr 1989 in Deutschland gesammelt wurden.

Der Festakt 25 Jahre Mauerfall
Der Festakt 25 Jahre Mauerfall
Der Festakt 25 Jahre Mauerfall
Der Festakt 25 Jahre Mauerfall
Der Festakt 25 Jahre Mauerfall

Günter Schabowski – Pressekonferenz über neue Reiseregelung

Die ersten Schritte zur Wiedervereinigung am Brandenburger TorAuf und vor der Mauer
Auf und vor der Mauer, 10. November 1989, Berlin, Brandenburger Tor Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Fumiko Matsuyama)

Interview mit einer 90-jährigen Zeitzeugin
Interview mit einer ZeitzeuginIm Rahmen eines Schulprojekts wurde eine inzwischen 90-jährige Zeitzeugin interviewt.
Das Video-Interview und weitere Informationen über das Mauerfall-Jubiläum finden Sie hier:

25 Jahre Mauerfall
Der Mauerfall – Deutschland feiert die Wiedervereinigung im Jahr 1989Die Berliner Mauer wurde am 13. August 1961 errichtet und teilte Deutschland in “Ost” und “West” – in die BRD (Bundesrepublik Deutschland) und in die DDR (Deutsche Demokratische Republik). Die Mauer galt als letzte Aktion, welche im Rahmen der Nachkriegsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg von den Allierten durchgeführt wurde. Die damals an der Grenze stationierten Soldaten erhielten Schießbefehl, sofern versucht wurde, dass die 167,8 Kilometer lange Mauer übersetzt werden sollte. In der Zeit von 1961 bis zum Mauerfall 1989 wurden schätzungsweise zwischen 136 bzw. 245 Menschen erschossen. Eine genaue Todeszahl ist bislang nicht bekannt. Der Mauerfall ereignete sich am 9. November 1989 und feiert nun – im Jahr 2014 – sein 25jähriges Jubiläum.

Auf die Mauer / Begrüßung von DDR-Bürgern
Auf die Mauer, 10. November 1989, Berlin, Brandenburger Tor Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Fumiko Matsuyama) / Begrüßung von DDR-Bürgern, 11. November 1989, Berlin, Grenzübergang Lichtenrade/Mahlow Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Monika Waack)

HINTERM HORIZONT erzählt eine deutsch-deutsche Geschichte
zu Zeiten der Berliner Mauer
HINTERM HORIZONT, das Musical mit den Hits von Udo Lindenberg, erzählt die Geschichte eines Mädchens aus Ostberlin und der damaligen Problematik des geteilten Deutschlands. Kein Wunder, dass das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls ganz im Zeichen des Lindenberg-Musicals stand. Seit dem Jahr 2011 ist HINTERM HORIZONT auf dem Potsdamer Platz zu sehen. Genau dort, wo die damalige Berliner Mauer Deutschland zwischen West und Ost teilte. Die deutsch-deutsche Geschichte des Musicals und die Tatsache, dass der Mauerfall vor rund einem Vierteljahrhundert war, werden derzeit perfekt kombiniert. Schlussendlich gibt es kein Musical, welches das derartige Thema so detailliert behandelt. Schlussendlich sagte Lindenberg auch selbst, dass Teile der Geschichte der Wahrheit entsprechen.

Grenzsoldaten am Grenzübergang Invalidenstraße
Grenzsoldaten am Grenzübergang Invalidenstraße Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Fumiko Matsuyama)

Aus diesem Grund wurde das Musical auch in der Jubiläumswoche des Mauerfalls auf dem Potsdamer Platz aufgeführt. Die Aufführungen fanden täglich statt. Die einzige Spielpause erlebte das Musical HINTERM HORIZONT nur zwischen dem 9. und 13. November. Der Grund für die spielfreien Tage waren die Aufbauarbeiten für die BAMBI-Preisverleihung. HINTERM HORIZONT und seine Schauspieler wurden auch in verschiedene Dokumentationen und Berichterstattungen eingebaut. So war etwa Josephin Busch, welche die Hauptdarstellerin aus HINTERM HORIZONT ist, bei der ZDF-Dokumentation “Wahnsinn ’89. Wie die Mauer fiel” zu sehen. In der 45-minütigen Dokumentation interviewte Busch zahlreiche Zeitzeugen, welche sich nicht nur an die Errichtung, sondern auch an den Fall der Mauer erinnern konnten. Einer von ihnen war Udo Lindenberg. Josephine Busch ist seit der Uraufführung des Musicals die Hauptdarstellerin und verkörpert die Rolle des Ostberliner Mädchens. Die Wiederholung der Dokumentation war am 7. November 2014 auf dem Sender ZDFneo zu sehen.

Die Mauer und der Fernsehturm

Der Mauerfall ist auch ein Thema in den deutschen KlassenräumenEbenfalls wird noch bis 30. November das Projekt “Mauern einreißen” laufen. Das Projekt, welches deutschlandweit stattfindet und mit dem Schülerkunstpreis ausgezeichnet wird, ist bereits seit Schulbeginn ein großes Thema in den deutschen Klassenräumen. Bis Ende November haben die Schüler die Möglichkeit, dass sie ihre eigens angefertigten Kunstwerke einreichen. Udo Lindenberg, der das Projekt unter anderem ins Leben gerufen hat, wird mit der Jury das beste Kunstwerk küren. Die Thematik betrifft auch hier den Mauerfall. Welches Kunstwerk repräsentiert den Mauerfall bzw. die Entstehung des geschlossenen Deutschlands? Neben Udo Lindenberg sind auch Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen (BStU) sowie auch Hubertus Knabe, der Leiter der Hohenschönhausen Gedenkstätte, in der Jury. Die Preisverleihung wird am 13. Januar 2015 stattfinden – natürlich in der Bundeshauptstadt Berlin.

Trabi in Ost-Berlin

Die Geschichte eines Mädchens, das aus Ostberlin kamDas Musical HINTERM HORIZONT feierte seine Premiere im Januar 2011. Damals wurde es das erste Mal am Theater am Potsdamer Platz uraufgeführt. Heute gilt es als eines der erfolgreichsten Produktionen, welche jemals in Berlin aufgeführt wurden. Rund 20 Jahre nach dem legendären Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung, entschlossen sich Udo Lindenberg, deutscher Musiker, Ulrich Waller, Regisseur sowie Thomas Brussig, der schon den Erfolg “Sonnenallee” schrieb, ein deutsch-deutsches Musical auf die Beine zu stellen. Dass das Musical, welches die Geschichte eines Mädchens aus Ostberlin und Udo Lindenberg erzählt, direkt dort aufgeführt wird, wo jahrelang die Mauer stand, sorgt für eine unheimliche und bewegende Stimmung. Vor allem dann, wenn Lindenberg klar macht, dass das Musical nicht nur reine Fiktion ist – viele Handlungen, die im Musical erzählt werden, entsprechen der Wahrheit. HINTERM HORIZONT kombiniert eine perfekte Geschichte, die nicht nur über die damalige Zeit der Mauer berichtet, sondern auch über die vielen Hürden erzählt. Natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen und die Aufklärung, wer eigentlich dieses berühmt berüchtigte Mädchen aus Ostberlin ist.

 

Die Geschichte der Mauer und der deutschen TeilungGrenzpfostenVorgeschichte und Beginn der deutschen TeilungDer Beschluss zur Aufteilung Deutschlands unter den voraussichtlichen Siegermächten des Zweiten Weltkrieges wurde schon ab 1943 unter den größten Alliierten USA, Großbritannien und der Sowjetunion gefasst und auf den Konferenzen in Teheran (1943) und Moskau (1943) sowie Jalta (1945) präzisiert. Zur deutschen Teilung gehörte auch die Abtretung der deutschen Ostgebiete (rund 25 % des deutschen Territoriums in den Grenzen von 1937), mit denen Polen entschädigt wurde, während die Sowjetunion den größten Teil der polnischen Ostgebiete behielt, die ihr durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 zugefallen waren. Es gab unterschiedlichste Pläne zur deutschen Teilung, mit der Deutschland entmachtet, zu Reparationen gezwungen und demilitarisiert werden sollte. Der britische Premier Winston Churchill brachte beispielsweise 1943 eine deutsche Teilung in einen Südstaat inklusive Österreichs und Ungarns und einen Nordstaat ins Gespräch. Im selben Jahr einigten sich die Alliierten jedoch in Moskau auf die deutsche Aufteilung unter die späteren Siegermächte und damals noch auf eine Regierung durch die Siegermächte. Der sowjetische Staatschef Stalin wollte Deutschland nach dem Krieg zerstückeln, um jede Gefahr zu bannen, die von den Deutschen jemals wieder ausgehen könnte. Auf der 1945er Konferenz in Jalta (Halbinsel Krim) wurden schließlich die deutsche Teilung und die Aufteilung Berlins in Sektoren so festgelegt, wie sie ab 1945 auch überwiegend stattfand. Es ging in jenem Jahr schon um den aufziehenden Ost-West-Konflikt und die Sicherung der Einflusssphären nicht nur in Deutschland, sondern in Gesamteuropa. Stalin begann, in Osteuropa und später auch auf dem Territorium Ostdeutschlands sowjetfreundliche, kommunistische Regimes zu installieren. Eine von Deutschland ausgehende Gefahr stand nicht mehr im Vordergrund, Deutschland lag militärisch, wirtschaftlich und infrastrukturell absolut am Boden. Niemand missachtete jedoch diese mögliche Gefahr, ihr wurde mit diversen Auflagen für die Deutschen vorgebeugt. Im Zuge der letzten Konferenzen von Jalta und schließlich Potsdam (auch 1945, nach Kriegsende) wurden die USA, Großritannien, Frankreich und die UdSSR als Besatzungsmächte festgelegt, die Umsiedlung von Deutschen aus den Ostgebieten beschlossen (die zur teilweise gewaltsamen Vertreibung führte) und die späteren Leitlinien für die Politik in den einzelnen Besatzungszonen festgelegt – im Westen in Richtung demokratische Marktwirtschaft, im Osten in Richtung abgeschotteter kommunistischer Staat namens DDR.

Stacheldraht an der Grenze

Ereignisse zwischen 1949 und 1961Im Jahr 1949 gründeten sich am 23. Mai die Bundesrepublik Deutschland und am 7. Oktober die Deutsche Demokratische Republik, nachdem die Alliierten die Zweckmäßigkeit von zwei eigenständigen deutschen Staaten gegenüber einer reinen Protektoratslösung eingesehen hatten. Die beiden Staaten verfolgten unterschiedliche Konzeptionen: Die BRD verstand sich als Nachfolger des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937, die DDR erhob in unklaren Formulierungen ihrer Verfassung den Anspruch auf die Vertretung des gesamten deutschen Volkes in den (vermutlich) 1949 vorgefundenen Grenzen. Beide Staaten postulierten in ihren Gründungsverfassungen das Ziel der deutschen Wiedervereinigung beziehungsweise stellten die deutsche Einheit gar nicht erst infrage. Die BRD sah sich als durch eigene Verfassung legitimierter Nachfolger des Deutschen Reiches mit vielfältigen Entschädigungsforderungen konfrontiert, die bis heute (2014) anhalten, die DDR verstand sich als Staatsneugründung und lehnte freiwillige Reparationen stets ab, wurde freilich von der Sowjetunion zu unerhörten wirtschaftlichen Kompensationen gezwungen. Währenddessen verhalfen die Westmächte unter Führung der USA der BRD zu einem massiven ökonomischen Aufschwung mithilfe des Marshall-Plans, der zum deutschen Wirtschaftswunder ab den 1950er Jahren führte, während die DDR durch Reparationen (es wurden sogar Eisenbahnschienen und ganze Industriebetriebe demontiert und in die Sowjetunion verschafft) wirtschaftlich ausblutete. Zudem konnte die kommunistische, später sozialistische Planwirtschaft der westlichen Marktwirtschaft nicht die Stirn bieten, die beiden Staaten entwickelten sich ökonomisch drastisch auseinander. Das und die politische Unterdrückung führte bei noch offenen Grenzen bis 1961 zu einer massiven Fluchtbewegung von Ost nach West, der die DDR mit dem Bau der Berliner Mauer und der Sicherung der Grenze zum Staatsgebiet der Bundesrepublik mit Todesstreifen und Stacheldraht ab 1961 ein Ende setzte.

Barrieren

Grenzziehung ab 1961Walter Ulbrichts Aussage vom 15. Juni 1961 ist einer der historischsten Sätze in der Geschichte der DDR. Die Äußerung, dass niemand eine Mauer bauen wolle, ergab sich während einer Pressekonferenz in Ostberlin und wurde damit unterstrichen, dass die Bauarbeiter damit bechäftigt seien, Wohnungen zu errichten. Im August, genauer gesagt zwischen dem 12. und 13. desselben Jahres, wurden schließlich die ersten Steine der Berliner Mauer gesetzt, welche das Volk fast dreißig Jahre lang voneinander trennen sollte. Der SED-Parteiführer Walter Ulbricht hatte den Befehl mit Rückendeckung der Sowjetunion persönlich ausgeführt. Der Mauerbau wurde zum Symbol des Kalten Krieges und sollte die Massenflucht der Ostdeutschen aufhalten. Während der Westen das Konstrukt als “kommunistische Schandmauer” und Verletzung der Bürgerrechte ansah, verteidigte die DDR den Bau als Schutzwall vor faschistischen Bestrebungen, welche aus dem Westen zu erwarten seien, sowie als Friedensgrenze. Schon seit 1952 war die innerdeutsche Grenze durch Zäune und Stacheldraht gesichert worden, sodass potenzielle Flüchtlinge nur über Berlin, das einen Sonderstatus genoss, sich in den Westen begeben konnten. Nachdem eine große Anzahl von Menschen diese Möglichkeit in Betracht zog, sollte die Schließlung des letzten Schlupfloches die DDR-Bürger daran hindern, ihren Staat gegen die Genehmigung der DDR zu verlassen.

Gegen 16 Uhr des 12. Augustes unterschrieb Walter Ulbricht die Befehle über die Sicherung der Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Erich Honecker organisierte die Vorbereitung sowie Durchführung des Großprojektes Berliner Mauer. Gegen Mitternacht wurden erste bewaffnete Einheiten zur Sicherung der Grenzen an eben diese verlegt. Bewaffnete Kämpfer, Funktionäre des FDGB sowie der FDJ nahmen an Maßnahmen zur Sicherung der Ruhe teil. Ab null Uhr wurde der Verkehr zwischen den Staaten gekappt. Ab drei Uhr wurde die Grenze befestigt und durch bewaffnete Kräfte in kürzester Zeit gesichert. Die Grenze aus Stacheldraht wurde in wenigen Tagen durch eine Mauer ersetzt.

Schutzstreifen

Symbol des Kalten KriegesDer Bau der Mauer brachte die Intensität des Kalten Krieges zum Vorschein. Was in der Nacht vom 12. zum 13. August geschehen war und welche Bedeutung dieses Ereignis für die DDR-Bürger hatte, erfuhren diese am nächsten Morgen im Radio. Die Reaktionen der Menschen war sehr unterschiedlich. Während einige den Missbrauch der geöffneten Grenze in Berlin sowie die imperialen Bestrebungen des Westen fürchteten und die Mauer somit guthießen, offenbarten andere ihre Wut in der Öffentlichkeit. Die letzte Möglichkeit, Freunde und Verwandte im Westen besuchen zu können, war ebenso abgebrochen wie der Grenzgang, den einige DDR-Bürger dazu genutzt hatten, im Westen zu arbeiten. Das Gehalt konnte in Wechselstuben getauscht und somit eine höhere Lebensqualität in der DDR erreicht werden.

Neben den Bürgern war auch die Meinung der Staaten gespalten. Besonders der Westen reagierte unerwartet gelassen. John F. Kennedy befand sich bei Bekanntgabe der Information im Urlaub, welchen er auch nicht abbrach. Konrad Adenauer, der damalige Bundeskanzler der BRD, entschied sich ebenfalls gegen rasche Maßnahmen. Der Mauerbau zwischen Ost- und Westberlin beeinflusste die wirtschaftlichen Entwicklungen nicht, wodurch der Grund der geringen Empörung unterstrichen wird, obwohl ab dem 13. August 47.000 Mann die Grenze durch Kontrollstreifen, Minenfelder, Wachtürme, Gräben sowie Selbstschussautomaten sichern sollten. Die Überwachung erstreckte sich über 1.393 Kilometern und stopfte den letzten Fluchtweg.

Sperranlagen

Grenzanlagen zur BundesrepublikDie innerdeutsche Grenze zwischen der DDR und der BRD war ohne die Grenze zu Westberlin 1.400 km lang. Die alliierten Siegermächte des 2. Weltkrieges hatten diese Grenze zwischen ihren Besatzungszonen festgelegt, aus denen später die beiden deutschen Staaten entstanden. Der gesicherte Grenzstreifen zur Bundesrepublik war teilweise fünf Kilometer breit, durfte als Sperrzone nicht betreten werden und wurde daher in den rund vier Jahrzehnten seines Bestehens ein Rückzugsgebiet für bedrohte Arten der Fauna und Flora. Die DDR-Behörden unterteilten die Grenze in die 5-km-Sperrzone, einen 500-Meter-Schutzstreifen und einen 10-Meter-Kontrollstreifen direkt vor dem Grenzzaun. Dieser letzte, gepflügte Kontrollstreifen war der “Todesstreifen”, auf dem Antipersonenminen und Selbstschussanlagen installiert wurden. Zudem war dieser Streifen mit Stacheldraht gesichert, wurde von Patrouillen der DDR-Grenztruppen bewacht und regelmäßig von Sichthindernissen geräumt. An Grenzflüssen und ihren Übergängen errichtete die DDR Sperrgitter, die teilweise tief ins Wasser reichten. Teilweise gehörten die Gewässer vollständig zum DDR-Gebiet. Hinter ihnen lag ein Niemandsland, das aber DDR-Staatsgebiet war, ebenso gesichert wurde und durch Flüchtlinge und teilweise Bundesbürger als BRD-Gebiet missdeutet wurde, was zu tragischen Unfällen führte. Der Zaun war weitestgehend elektrisch gesichert. Diese Hochspannung und auch die Selbstschussanlagen stellten die Techniker der DDR-Grenztruppen bei Gewitter ab, um Selbstauslöser zu vermeiden. Das war unter den Flüchtlingen jedoch nicht bekannt und wurde nach gegenwärtigem Erkenntnisstand (2014) nie gezielt ausgenutzt. Die Sperrzone durften auch Anwohner nur betreten, wenn sie einen Vermerk im Ausweis trugen. Techniker, die dort arbeiten mussten, wurden von Grenzsoldaten begleitet. Die DDR-Grenzanlagen zur Bundesrepublik und zum Gebiet Westberlins (Berliner Mauer) waren so aufgebaut, dass sie vorrangig die Flucht aus der DDR effektiv verhindern konnten. Die Effizienz richtete sich weniger gegen das illegale Betreten von der Westseite her.

Grenzstreifen Potsdamer Platz
Grenzstreifen Potsdamer Platz Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Fumiko Matsuyama)

Selbstschussanlagen an der DDR-GrenzeDie innerdeutsche Grenze sicherte die DDR auf ihrem Gebiet mit Selbstschussanlagen. Aufgrund der Zielrichtung der Sicherung gegen eine Flucht aus der DDR – weniger gegen das Eindringen aus dem Westen – schossen die Anlagen in Richtung DDR-Gebiet. Auch völkerrechtlich war das Schießen in Richtung Westen (auch den Soldaten) verboten, es wäre als kriegerischer Akt gedeutet worden. Flüchtlingen war das bekannt, sie versuchten also, beim Überwinden der Grenze die Grenzsoldaten “hinter sich” zu lassen, was jedoch selten gelang, weil die Grenzer den Todesstreifen bewachten und dort parallel zur Grenzrichtung schossen. Zudem waren dort die Selbstschussanlagen und Minen installiert. Die Sicherung der Ostsee wurde durch Marineeinheiten der DDR-Grenztruppen vorgenommen, die Sicherung des Luftweges durch die Luftstreitkräfte der NVA. Man geht nach gegenwärtigem Stand der Forschung von über 870 Grenztoten an der DDR-Grenze (einschließlich Berliner Mauer) aus, wobei alle Toten seit Bestehen der beiden deutschen Staaten (also auch vor 1961) und auch die getöteten Grenzsoldaten sowie sowjetische Fahnenflüchtlinge erfasst sind. Ein prominenter Toter war der ehemalige DDR-Oppositionelle Michael Gartenschläger, der nach einer politischen Zuchthausstrafe in der DDR vom Westen freigekauft worden war, dann in Hamburg lebte und 1976 zwei Selbstschussanlagen vom Westgebiet aus demontierte, um zu einer Zeit, als die DDR sie noch leugnete, den Beweis ihrer Existenz zu präsentieren. Der SPIEGEL berichtete darüber. Gartenschläger gelang dies, weil die Selbstschussanlagen in Richtung DDR-Gebiet schossen und er sich vom Westen aus näherte. Beim dritten Versuch, so eine Anlage zu demontieren, erschoss ihn ein Spezialkommando der Stasi.

Militär-Mützen

Grenzkontrollen zur BundesrepublikDie insgesamt tausendvierhundert Kilometer lange innerdeutsche Grenze, auch deutsch-deutsche Grenze genannt, verlief nach der Gründung beider deutscher Staaten ab dem Jahre 1949 vom südlichen Dreiländereck Bayern, Böhmen und Sachsen bis hin zur Lübecker Bucht im hohen Norden. Hinzu kam der gesamte Teilbereich der DDR-Staatsgrenze zu den Berliner Westsektoren hin. Diese Grenze wurde am 13. August 1961 mit der Berliner Mauer befestigt. Damit war Berlin im wahrsten Sinne des Wortes eingemauert. Grenzkontrollen finden immer an beiden Seiten einer Staatsgrenze statt. Das jeweilige Land kontrolliert an seiner Landesgrenze die Einreisenden. Hauptzweck von Grenzkontrollen ist das Verhindern von illegalen Einreisen. An der deutsch-deutschen Grenze war jedoch auf Seiten der DDR dieser Hauptzweck umgekehrt. Die Grenzkontrollen dienten in erster Linie der Vermeidung von nicht genehmigten Ausreisen. Zu den Kontrollorganen gehörten sowohl Polizei als auch Militär. Kontrolliert wurde an den offiziellen Grenzübergängen. Die wichtigsten waren Straßenübergänge. Zu den bekannten unter ihnen, die im Verlaufe von mehreren Jahrzehnten teilweise geschlossen und wieder geöffnet wurden, gehörten die Grenzübergänge Marienborn-Helmstedt in Niedersachsen, Herrnburg-Lübeck in Schleswig-Holstein, sowie Mühlhausen-Treffurt in Thüringen. Hier wurde auf DDR-Seite buchstäblich scharf und genau kontrolliert. Deutlich entspannter war die Situation im sogenannten kleinen Grenzverkehr. Mehrere Übergänge wurden zu diesem Zweck Anfang der 1970er Jahre geöffnet. Das galt nur für den Reiseverkehr im DDR-grenznahen Bereich, nicht jedoch für Transitreisen nach Berlin. Zu den am stärksten frequentierten gehörten die Grenzübergänge Duderstadt – Worbis, Rottenbach – Eisfeld, Bergen – Salzwedel und Eußenhausen – Meiningen. Personell wurden die Grenzkontrollen ab Anfang der 1960er Jahre von einer eigenen Passkontrolleinheit, der PKE durchgeführt. Sie war dem MfS, dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zugeordnet.

Checkpoint Charlie

Grenzkontrollen rund um BerlinEin ganz eigenes Thema waren die DDR-Grenzkontrollen an den Grenzübergängen in Berlin. Das ansonsten zuständige Zollpersonal wurde hier überall durch Sicherungskompanien der Grenztruppen, kurz SIK ersetzt. Die Grenzübergänge in Berlin gliederten sich bis zum Mauerfall in die Straßen- und Fußgängerübergänge von Westberlin nach Ostberlin, sowie von Westberlin nach außen hin zum DDR-Gebiet. Während auf Westberliner Gebiet in aller Regel der Personenverkehr nicht kontrolliert wurde, war es gegenüber auf Ostberliner Gebiet umso genauer bis hin zu schlimm. Hier wurden sowohl Ostberliner als auch Westberliner penibel kontrolliert. Mit Pässen, Ausweisen, Berechtigungsscheinen sowie Nachweisen über dem Mindestumtausch war jedes einzelne Kontrollverfahren aufwändig und zeitintensiv. Sowohl Westberliner als auch DDR-Bürger konnten die Grenzkontrollübergänge Chausseestraße, Sonnenallee, Oberbaumbrücke und Invalidenstraße benutzen. Der Checkpoint Charlie war auf DDR-Bürger, auf Ausländer sowie auf Diplomaten und Militärs begrenzt. Die Bornholmer Straße ist als Grenzkontrollübergang für DDR- und Bundesbürger noch heute ein Begriff. Die Glienicker Brücke war bekannt als der Grenzkontrollübergang von Westberlin in das angrenzende DDR-Staatsgebiet. Sie führte über den Fluss Havel von Berlin-Wannsee nach Potsdam. Schon seit Mitte des Jahres 1953 war sie für den zivilen Personenverkehr gesperrt. Der hauptsächliche Transitverkehr durch die DDR, also zwischen Deutschland und Westberlin durch das Gebiet der DDR hindurch, führte über den Grenzkontrollpunkt Dreilinden. Auf westdeutscher Seite war es der damals wohl größte und wichtigste Grenzübergang Marienborn/Helmstedt. Und auch die rund ein Dutzend Grenzbahnhöfe sowie Grenzübergänge an Wasserstraßen wie Flüssen und Kanälen wurden bis in die letzten Stunden des 9. November 1989 hinein überwacht und kontrolliert.

Ab dem 10. November 1989 um 08.00 Uhr wurden sie sukzessive geöffnet; beginnend mit dem Grenzkontrollübergang Kirchhainer Damm im Berliner Ortsteil Lichtenrade hin zur gegenüber liegenden Gemeinde Blankenfelde-Mahlow in Brandenburg.

Grenzsoldaten auf der Leipziger Straße
Grenzsoldaten auf der Leipziger Straße Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Fumiko Matsuyama)

Reisefreiheit in der DDRDie Reisefreiheit ist eines der verbrieften Grundrechte von Bürgern demokratischer Staaten; selbst in Diktaturen ist es oft möglich, das Land ohne besondere Formalitäten zu verlassen. Die DDR, die das Adjektiv “demokratisch” sogar im Staatstitel führte, aber versagte ihren Bürgern dieses Recht. Denn die Staatsgrenze war ja am 13. August 1961 genau deswegen geschlossen worden, weil die Massenflucht aus der DDR unüberschaubare Formen angenommen hatte. Das Volk aber wurde dringend für den sozialistischen Staat benötigt. Offiziell gab es natürlich kein Reiseverbot, und die Fahrten in das sozialistische Ausland, zu dem damals Polen, die CSSR, Ungarn, Rumänien oder Bulgarien gehörten, wurden als angebliche Reisefreiheit deklariert. Ab den 1970er Jahren bedurfte es für solche Reisen nicht mehr des obligatorischen “Antrags auf Ausreise”. Aber schon, wenn das Mutterland des Sozialismus, die damalige Sowjetunion, oder das ebenfalls sozialistische Jugoslawien besucht werden wollten, gab es Einschränkungen. Die Gründe waren simpel: Innerhalb der sozialistischen Staatengemeinschaft mit gemeinsamen Grenzen hatten die Bürger der DDR überwiegend nicht die Chance, auf westliches Terrain zu wechseln. Reisen nach Kuba, China oder Vietnam, ebenfalls sogenannte Brudervölker, waren mit internationalem Transit verbunden und insofern höchst geeignet für einen Fluchtversuch. Die DDR löste das Problem in ihrer Propaganda dergestalt, dass es in diese Länder nur Gruppenreisen gab, die vorrangig über gesellschaftliche Organisationen vergeben wurden. Damit war weitgehend sichergestellt, dass sich die Reisenden auch im Ausland linientreu verhielten. Das westliche (und damit das restliche) Ausland war für den DDR-Normalbürger tabu. Rentnern gestattete der Staat die Ausreise, denn die konnten nichts mehr für ihn tun. Ab den 1980er Jahren wurden Reisen zu Verwandten in die Bundesrepublik Deutschland auch für DDR-Bürger unter 65 Jahren möglich, unterlagen aber einzig und allein der Entscheidung der “zuständigen Organe”.

DDR Reisepass

Die Forderung nach Reisefreiheit als Auslöser der WendeImmer mehr DDR-Bürger jedoch forderten das Recht auf Reisefreiheit ein. Ansonsten blieb nur Weg durch die Gefängnisse des Staates, um die Chance zu erhalten, als politischer Häftling irgendwann einmal in den Westen abgeschoben zu werden. Die Anträge auf ständige Ausreise häuften sich. Viele Gleichgesinnte fanden sich in den Kirchenkreisen zusammen, die eigentlich Friedens- und Umweltthemen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Aber die Forderung nach Reisefreiheit entfaltete die stärkste mobilisierende Kraft. Nach den Andachten in der Leipziger Nikolaikirche formierten sich die Teilnehmer auf der Straße und skandierten “Wir wollen raus!”. Ihre Transparente wurden von der Polizei und der Staatssicherheit niedergerissen, viele Demonstranten wurden verhaftet. Trotzdem entwickelte sich aus diesen Friedensgebeten die Leipziger Montagsdemo, die ständig anwuchs und den Innenstadtring eroberte. Den Wendepunkt bildete der 9. Oktober 1989, als aus den anfänglich Hunderten nun 70.000 Demonstranten geworden waren. Auch die vereinende Parole hatte sich gewandelt. Sie lautete nun: “Wir sind das Volk!” Die größte Demonstration der Wende, am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, forderte die Reisefreiheit so akut, dass die DDR-Führung in aller Eile ein neues Reisegesetz zusammenbastelte. Die Wirren waren so groß, dass der Verkünder der Politbüro-Entscheidungen, Günther Schabowski, auf der berühmten Pressekonferenz vom 9. November 1989 die Reisefreiheit bekanntgab, ehe sie vollständig abgesegnet war. Mit der Öffnung der Grenze aber war es um die DDR geschehen.

Visastempel im Reisepass

DDR Reisepass – Blau statt grün und lange sehr begehrt:
Damals heiß ersehnt, heute vielfach gehandelt
Auf den einschlägigen Onlineportalen können ihn historisch interessierte Sammler inzwischen ganz zeitgemäß per Mausklick bequem begutachten und ggf. kaufen. Vor gut 30 Jahren und fast bis zur Währungsunion und Wiedervereinigung im Jahr 1990 war der DDR-Reisepass jedoch für die Mehrheit der dortigen Bevölkerung ein eher selten bekanntes, weil schlicht nicht im persönlichen Besitz befindliches Dokument. Angesichts der ansonsten in der Deutschen Demokratischen Republik üblichen und gebräuchlichen Fülle an häufig auch verlangten und vorzuzeigenden Identifikationspapieren und Mitgliedsausweisen mag das spärliche Vorhandensein eines so wichtigen persönlichen Dokuments aus heutiger Sicht zunächst überraschen. Seinerzeit gehorchte diese spärliche Zuteilung aber natürlich primär der Logik, die Reisefreiheit der eigenen Bürger auch in die sog. “sozialistischen Bruderländer” wie Polen, Ungarn, die CSSR, Rumänien, Bulgarien und natürlich auch die UdSSR möglichst genau zu kontrollieren und natürlich auch vielfach zu behindern und zu beschränken.

Theorie, Praxis und Reformen bei der Passzuteilung: Langsam gelockertes Privileg
Grundsätzlich und theoretisch galt zwar laut des schließlich am 11. Januar 1990 aufgehobenen § 3 des Passgesetzes vom 28. Juni 1979, dass alle Staatsbürger der Deutschen Demokratischen Republik unabhängig von ihrem Wohnsitz einen DDR-Reisepass erhalten können. § 1 besagte gar, dass alle Staatsbürger sich beim Überschreiten der Staatsgrenze durch einen Pass auszuweisen haben. In der Praxis wurden entsprechende Anträge von Privatpersonen ohne allzu hohe bzw. hervorgehobene Funktionen im Partei- und Staatsapparat auf Pässe eher zurückhaltend oder gar nicht bearbeitet. Überhaupt wurde die Zuteilung von DDR-Reisepässen an die Bürger erst mit den zaghaften und zarten Reformen ab ca. Mitte der 1980er Jahre einigermaßen großzügiger gehandhabt, bis dahin war der Reisepass über lange Zeit lediglich ein Privileg für vergleichsweise sehr wenige Bürger. Während Reisen in Richtung Osteuropa wie etwa zur beliebten bulgarischen und rumänischen Schwarzmeerküste oder in die ungarische Hauptstadt Budapest ab etwa 1986 mit den Pässen etwas einfacher wurden, blieben Reisen in Richtung Westen auch in der Spätphase des Staates ein Privileg für ausgewählte Begünstigte bzw. erwiesener Maßen staatstreue Bürger (“Reisekader”).

Großeltern brachten Kindern und Enkeln bis zum Mauerfall Mode und Musik mit
Bereits früher wurden allerdings DDR-Rentnern (Frauen ab 60 Jahre, Männer ab 65 Jahre) beispielsweise Verwandten- oder Familienbesuche für insgesamt vier Wochen pro Jahr in die Bundesrepublik oder das westliche Ausland zugestanden, dafür musste man jedoch bei der Beantragung bis zu drei Westadressen angeben. Ohne Verwandtschaft im Westen waren die Chancen auf Erfolg hingegen meist gering, als in Improvisation geübte Zeitgenossen gelang es jedoch manch findigem Senior bzw. geschickter Seniorin durchaus, die benötigten westlichen Verwandschaftsverbindungen auch über mehrere Ecken erfindungsreich und erfolgreich zu konstruieren. Besonders in Westberlin gehörten am Kurfürstendamm einkaufende und Kaffee trinkende Rentner aus der DDR speziell an den Wochenenden bis 1989 zum gewohnten Straßenbild. Diesen älteren Damen und Herren verdankten auch manche Söhne, Töchter, Neffen, Nichten, Enkel und Enkelinnen in Ostberlin, Dresden, Leipzig, Rostock und Erfurt ihre ersten mitgebrachten Bluejeans und Rockmusik-Schallplatten von westlichen Interpreten. Bei dringenden Anliegen wie zum Beispiel Todesfällen konnten auch noch berufstätige Bürger eine vorübergehende Ausreiseerlaubnis und damit einen DDR-Reisepass zugesprochen bekommen. Als dieser jedoch in den folgenden Monaten nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 mehr oder weniger von den Behörden umstandslos genehmigt wurde, hatte das einst so begehrte Reisedokument ironischerweise seinen Reiz aufgrund der neuen F reizügigkeit schon fast komplett verloren.

DDR-Briefmarken

Die Post und die Stasi – Planvoll durchgeführte KontrollenZwar gab es auch in der früheren DDR ein gesetzlich garantiertes Briefgeheimnis, dennoch ist es erwiesen, dass die Stasi die gesamte Post der DDR regelmäßig und planvoll koordiniert durchleuchtete. Die rechtliche Grundlage hierfür bildeten eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen, die im Allgemeinen den Zweck hatten, die Bürger und die Souveränität des Staates DDR zu schützen.

Organisation und Ablauf der Postkontrolle
Zuständig für die Kontrolle der Post war das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), im Volksmund auch Stasi genannt. Die Kontrolle der Post setzte dabei auf zwei Säulen: Einerseits wurden inoffizielle Mitarbeiter (IM) eingesetzt und andererseits führten die Mitarbeiter der Abteilung “M” regelmäßige Kontrollen an allen verdächtigen Sendungen durch. Durch die institutionelle Abhängigkeit der Post an den Staatsapparat der SED konnte das MfS in allen 15 Hauptpostämtern sogenannte “konspirative Räume” installieren. In diesen wurden mit der Hilfe von Fahndungstafeln und Sichtproben alle verdächtigen Sendungen gesichtet und untersucht. Dabei wurde nicht nur auf die Namen der Verdächtigen auf der Fahndungstafel Obacht gegeben, sondern auch auf die Namen nahestehender Verwandten oder Bekannten der genannten Personen. Diese waren in der “M-Kartei” verzeichnet und festgehalten und wurden ständig aktuell gehalten. Die Sendungen wurden, nach erfolgreicher Feststellung eines potentiellen Verdachts, mit Kurieren zu den Untersuchungsräumen der MfS gebracht und dort näher durchleuchtet. Dabei handelte es sich mitnichten nur um Sendungen an oder von verdächtigen Personen, sondern auch um Sendungen mit Geldinhalt oder mit ausländischen Briefmarken. Geld wurde dabei grundsätzlich konfisziert, egal um welche Währung es sich handelte, und Briefmarken wurden im Rahmen der Devisenbeschaffung an die zuständige Behörde weitergeleitet. Aufgrund der durchgeführten Kontrolle kam es konsequenterweise zu Verzögerungen im Sendungsablauf, in vielen Fällen kam auch nur lapidar eine Mitteilung, dass die Sendung verloren gegangen wäre.

Innovative Techniken zur Kontrolle der Post
Um die Post zu öffnen, wurden eine Reihe von modernen Techniken verwendet. Darunter fanden sich Heißdampf, Kaltdampf und weitere Möglichkeiten, um die Sendungen so unauffällig wie möglich zu öffnen, zu kontrollieren und anschließend wieder zu verschließen. Zu den ausgeklügelten Systemen zur Öffnung von Sendungen gehörten aber auch strukturierte und präzise Abläufe in der Organisation. So wurden nicht nur Brief- und Paketsendungen regelmäßig auf ihren Inhalt hin überprüft, sondern ebenso Telegramme, Fernmeldeschreiben und Faxe. Die Methoden der Stasi sind im Rahmen der Zeit sicherlich die effektivsten Methoden zur totalen Kontrolle der inländischen und ausländischen Post auf eigenem Staatsgebiet gewesen, die jemals entwickelt wurden. Bedenkt man die Geschwindigkeit, mit der neue Entwicklungen und Innovationen in die bestehenden Kontrollsysteme integriert wurden, darunter beispielsweise Telefone und andere neue Telekommunikationsmittel, so ist es erschreckend, festzustellen, mit welcher Effizienz und welcher Gewissenlosigkeit der Staat DDR es schaffte, das Briefgeheimnis seiner Bürger regelmäßig und mit Absicht zu verletzen und die Ergebnisse für seine wirtschaftlichen und politischen Ziele auszunutzen.

Grenze mit Wachturm

Stasi-Kontrolle bis 1989Die Bespitzelung in der DDR wurde vorrangig und hauptamtlich durch das Ministerium für Staatssicherheit – MfS – durchgeführt, allerdings war sie ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ein jeder konnte Spitzel sein und musste gewärtig sein, bespitzelt zu werden: von Nachbarn, Kollegen, Freunden und Verwandten auch nächsten Grades. Dieser Grad der Bespitzelung erlangte kafkaeske Dimensionen und dürfte in der Gesellschaftsgeschichte recht einzigartige Züge getragen haben, obgleich er seine Vorläufer in der leninistischen Tscheka (Gründung 1922) hatte und in allen Ostblockstaaten in ähnlicher Weise verbreitet war. Was Deutsche in Ost und West aus dem Jahr 2014 rückblickend an der DDR-Bespitzelung mit fasziniertem Schauder betrachten, ist die Ambivalenz zwischen dieser perfiden Konstellation und einer an sich entwickelten Gesellschaft, wie sie die DDR der späten 1980er Jahre darstellte. Mit ihrer Bespitzelung, Unterdrückung und Überwachung konterkarierte die Stasi die viel propagierte Idee einer menschenfreundlichen sozialistischen Gesellschaft, was nicht automatisch zu vermuten gewesen war. Denn eigentlich unterstanden die Inlandsgeheimdienste der Staats- und Parteiführung, doch mehr und mehr – vor allem unter Erich Mielke – verselbstständigte sich das MfS und handelte autark. Selbst über Führungskader der DDR-Führung existierten Dossiers, die ein großes Erpresserpotenzial bargen. Erich Mielke hielt sogar Geheiminformationen über Erich Honecker aus den 1930er und 1940er Jahren unter Verschluss. Die Stasi wurde 1950 gegründet, ihr Ziel war ursprünglich die Sicherung nach innen und außen, doch Erich Mielke – Stasi-Chef seit 1957 – baute sie hauptsächlich zum Bespitzelungs- und Terrorapparat nach innen aus. Die Stasi wurde zuletzt von der Berliner Normannenstraße aus geleitet, daneben gab es in jedem DDR-Bezirk (etwas kleiner als ein heutiges Bundesland) und in jedem Kreis (etwa heutiger Landkreis) eine Verwaltung. Im Jahr 1989 waren beim Ministerium für Staatssicherheit 90.000 Mitarbeiter hauptamtlich beschäftigt, schätzungsweise 189.000 Mitarbeiter spitzelten freiberuflich für die Stasi: wegen geringfügiger finanzieller Zuwendungen, weil sie erpresst oder bedroht wurden und auch aus pseudosozialistischer Überzeugung. Die Stasi war bis 1989 in allen Bereichen des öffentlichen und auch des privaten Lebens präsent.

Wachturm an der Grenze

Auflösung der StasiDie Stasi hatte zuletzt nicht nur mit Bespitzelung und Einschüchterung, sondern auch mit illegalen Methoden (auch nach den Gesetzen der DDR) und nackter Gewalt die Bevölkerung massiv gegen sich aufgebracht, sie war das Hassobjekt schlechthin der untergehenden DDR. Ein großer Teil des Volkszorns entlud sich bei der Stürmung der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße noch im Herbst 1989. Auch in Leipzig fürchteten die Mitarbeiter der Stasi-Zentrale bei den dortigen Montagsdemonstrationen, die teilweise um ihr Gebäude herumführten, (nicht ganz zu Unrecht) um das eigene Leben. Die Sache ging bekanntermaßen glimpflich aus, nur die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit gestaltete sich schwierig. Joachim Gauck, heutiger Bundespräsident (2014), war erster Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Stasi-Unterlagen, in die per 1991er Gesetzesbeschluss jedermann Einblick nehmen kann. Freilich gab es immer wieder Versuche, die Arbeit dieser Behörde zu torpedieren. Auch die SED-Geschichte wird seither aufgearbeitet, um festzustellen, wie totalitäre Regime funktionieren, von denen die Ostdeutschen seit 1933 gleich zwei hintereinander ertragen mussten – erst den Hitlerfaschismus und danach nahtlos den nicht minder verbrecherischen Stalinismus. Die Stasi war einer seiner schlimmsten Auswüchse.

Flucht von Ost-Berlin nach West-Berlin
Flucht von Ost-Berlin nach West-Berlin, Oktober/November 1989: Vor der Mauer am Brandenburger Tor Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Jürgen Lottenburger)

Flucht in den WestenAls Republikflucht bezeichnete man das nicht genehmigte Verlassen der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR. In den Jahren zwischen der Gründung der DDR im Oktober 1949 bis zur Eingliederung in die BRD flohen 3,8 Millionen Menschen aus dem Gebiet der heutigen neuen Bundesländer. Die Flucht verlief meistens illegal und somit unter gefährlichen Bedingungen. Die Regierung der DDR erkannte das Phänomen als Problem an und veröffentliche Strafandrohungen. Bei diesen handelte es sich um eine Haftstrafe von drei Jahren bei dem Versuch, in den Westen zu gelangen. Als die Androhung keine Wirkung erzielte und die Flüchtlingszahlen sich nicht veränderten, sollte das Verlassen der DDR 1957 mit dem Aufenthalt im Zuchthaus bestraft werden. Später galt der Fluchtversuch im Strafgesetzbuch der DDR von 1968 als ungesetzlicher Grenzübertritt, wodurch die vermeintliche Tat mit einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren sanktioniert werden konnte.
Die DDR entschied sich zur Partizipation am Internationalen Pakt über bügerliche und politische Freiheiten, in dem die Staaten sich dazu verpflichteten, die Freizügigkeiten des Volkes zu bewahren. Die DDR unterschrieb die Schlussakte von Helsinki zwar, dennoch besserte sich die Ausreisefreiheit der Bürger der DDR nicht. Das Verlassen des Staatgebietes war nur in osteuropäische Länder möglich, die als sicher galten vor westlicher Propaganda.
Die Massenflucht war besonders durch die geöffneten Sektoren in Berlin möglich, wo der östliche und westliche Teil sich kreuzten. 60 Prozent der Flüchtlinge beantragten hier ein Notaufnahmeverfahren, woraufhin sie nach Westdeutschland gelangten. In der BRD angekommen, wurden sie in Flüchtlingslager gebracht. Beendet wurde die Flucht 1961 durch den Bau der Mauer. Um dennoch in den Westen zu gelangen, suchten die Menschen nach neuen Wegen. Diese erschlossen sich über Drittstaaten oder Tunnel. Ebenfalls ausprobiert wurde das Entkommen über Heißluftballons, Sport- und Agrarflugzeuge sowie Tauchboote. Die Flucht war ein anziehendes, aber mindestens genauso gefährliches Verfahren. Während des Bestehens der Mauer starben 98 DDR-Flüchtlinge durch Todesschüsse, welche das Unternehmen verhindern sollten. Generell mussten Flüchtlinge sowie Helfer stets mit Festnahmen und Inhaftierungen rechnen.

Auf der Mauer
Auf der Mauer, 1. November bis 31. Dezember 1989, Berlin, Brandenburger Tor Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Christian Zeiler)

Gründe für die FluchtDie Gründe für eine Flucht aus der DDR waren vielfältig. Befragungen von Flüchtlingen aus dem Jahr 1961 ergeben, dass besonders die Ablehnung der Ideologie und Parteiaufträgen, des Schulsystems sowie der mangelnden Hochschulzulassungen und die Verpflichtung, Mitbürger auszuspitzeln, eine Rolle gespielt haben. Andere wollten sich dem gezwungenen Eintritt zur Armee entziehen, Widerstand gegen das Regime leisten oder zurück zu ihren Familien in den westlichen Teilen Deutschlands gelangen. Als kritisch gesehen wurde auch die Verstaatlichung der Wirtschaft sowie die Kollektivierung der Landwirtschaft. Unterschiedlichste Gründe haben die Menschen dazu bewegt, sich in direkte Gefahr zu begeben, um in den Westen zu fliehen. Wie gefährlich ihr Vorhaben war, zeigte Ida Siekmann. Die 58jährige sprang am 22. August 1961 aus dem dritten Stock ihrer Wohnung in der Bernauer Straße und ist das erste Todesopfer an der Berliner Mauer. Kurz darauf folgte Günter Litfin. Er war 21 Jahre alt, als er an der Mauer erschossen wurde. Günter wollte den Humboldthafen schwimmend überqueren und starb bei dem Versuch. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche Geschichten von Menschen, die teilweise um die Welt gingen. In dem Verlangen, der DDR zu entkommen stoppte sie auch die reale Gefahr nicht, welche vom Staat gegen die eigenen Bürger ausging.

Junger Mauerspecht
Junger Mauerspecht, 1. November bis 31. Dezember 1989, Berlin, Brandenburger Tor Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Christian Zeiler)

Zerstörung der MauerMehr als 28 Jahre bildete die Mauer ein fast unüberwindbares Hindernis zwischen West und Ost. Sie verlief 43 Kilometer mitten durch Berlin und grenzte Westberlin auf 112 Kilometern Länge gegen den damaligen Bezirk Potsdam ab. Ihr charakteristisches Aussehen verdankte sie den Betonfertigteilen, die damals eigentlich für landwirtschaftliche Silos hergestellt wurden, und denen zur Erschwerung ihrer Überwindung oft noch oben eine Rundung aufgesetzt war. Das Gelände vor der Mauer (der sogenannte Mauerstreifen) war bis zu 100 Meter breit und selbst nachts taghell ausgeleuchtet. Stacheldraht, Wachtürme und patrouillierende Grenzsoldaten komplettierten das perfekte Sicherheitssystem. Wohngebiete, die bis an die Mauer heranreichten, wurden zur verbotenen Zone für die Ostdeutschen. Wer dort wohnte, galt als sicherer DDR-Bürger. Für Besuche in diesen Bereichen benötige man eine Sondergenehmigung. So blieb die Mauer von ostdeutscher Seite immer ein unantastbares Objekt. Nur an manchen Stellen, z.B. auf der S-Bahn-Strecke nach Pankow, kamen die Fahrgäste der Ost-BVG nah an die Mauer heran, was ihnen allerdings beim schnellen Tempo der S-Bahn nichts nutzte. So hatte die Mauer auch einen unwirklichen Charakter, obwohl sie überall in Berlin zu sehen war.

Blick durch die Mauer
Blick durch die Mauer, Februar 1990, Berlin Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Norbert Esemann)

Mauerspechte und BauarbeiterKaum war die Mauer am späten Abend des 9. November 1989 gefallen, da erklommen auch schon die ersten Berliner aus Ost und West die Krone des Bauwerks, wie es z.B. an der breiten Front am Brandenburger Tor möglich war. Selbst der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy soll in dieser Nacht Stücke aus der Mauer geschlagen haben. Damit wäre er einer der ersten Mauerspechte. So wurden die Leute genannt, die am 10. November 1989 damit begannen, sich Splitter des monströsen Bauwerks als Trophäen mit nach Hause zu nehmen. Schnell wurde daraus eine Art Volkssport. Fast jeder hatte das Bedürfnis, die Mauer auch anzufassen und zu ihrer Zerstörung beizutragen. Im nun offenen Grenzgebiet kam sogar der Verleih von Hämmern und Meißeln in Mode. Offiziell war das Treiben der Mauerspechte gar nicht erlaubt. Auf der Ostseite sorgte die Grenzpolizei weiter dafür, dass die Grenzstreifen möglichst nicht betreten wurden. Dafür klang das Hämmern auf der Westseite umso lauter. Auch hier sollte die Polizei eigentlich einschreiten, drückte aber alle Augen zu. Die Mauerteile von der Westseite waren ohnehin die beliebtesten Sammlerstücke. Denn hier war die Mauer, insbesondere im Kreuzberger Bereich, von Sprayern mit bunten Bildern versehen worden. Farbe auf Beton gilt deshalb immer noch als Echtheitsbeweis für Mauersplitter, die seitdem als besonderes Souvenir aus Berlin gehandelt werden.

Die Mauerspechte haben natürlich nur einen ganz geringen Teil der Mauer zerstört. Dazu war schon ein größerer logistischer Aufwand nötig. Bereits Mitte November 1989 wurden einzelne Segmente aus der Mauer gehoben, um neue Grenzübergangsstellen zu schaffen, z.B. am Potsdamer Platz. Am 27. November beschloss die DDR-Führung, die Mauer abzubauen und beauftragte die damals noch volkseigene Firma Limex mit dem Projekt. Auch der Gedanke, noch von dem schwunghaften Handel mit den Mauerteilen zu profitieren, spielte dabei eine Rolle. Aber obwohl viele Soldaten helfen mussten, die Grenze zu beseitigen, dauert das Unternehmen viel zu lange. Am 13. Juni 1990 beschloss die neue Regierung der DDR deshalb, den Abbau systematisch und zügig zu beenden. Damals wurden auch diejenigen Teile der Mauer festgelegt, die als Mahnmal erhalten bleiben sollten.

Begrüßung von Ost-Berliner Mitbürgern
Begrüßung von Ost-Berliner Mitbürgern Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Fumiko Matsuyama)

Ausreise in den WestenDie Ausreisewelle von DDR-Bürgern in den Westen erreichte Anfang 1989 ihren Höhepunkt. Viele Menschen hatten die Nase vom DDR-Regime, den Repressalien, den fehlenden Möglichkeiten in diesem Land und auch von den leeren Regalen in den Geschäften voll und suchten einen Neuanfang. Illegal über die Grenze, legal nach der Stellung eines Ausreiseantrages, später über die geöffnete Grenze in Ungarn oder auch durch das Flüchten in die Botschaften der BRD in Warschau oder Prag – der Freiheitswille der DDR-Bürger kannte keine Grenzen. 1989 hatte der Frust der Menschen in der DDR eine neue Dimension erreicht. Volkskammer-Wahlen wurden manipuliert, die staatlich kontrollierten Zeitungen vermeldeten Produktionsrekorde und Bestarbeitermarken, doch in den Läden gab es nur wenig für das Geld zu kaufen. Im 40. Jahr der Republik putzte sich die Regierung heraus, die Kritiker des Systems aber wurden nicht gehört bzw. verfolgt. Neben den Menschen, die die DDR zu einem besseren Land machen wollten, gab es aber auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die mit ihrer Kraft am Ende waren und dem Land den Rücken kehren wollten. Ungarn öffnet sich als einer der ersten Ostblock-Staaten langsam und behutsam dem Westen. Immer wieder nutzen DDR-Bürger die wenigen vorhandenen Grenzkontrollen zur Flucht oder fliehen in die westdeutsche Botschaft in Budapest. Als im September die ungarische Grenze in Richtung Österreich endgültig geöffnet wird, nimmt der Strom der Flüchtlinge enorm zu. Das hat Folgen.

Reste der Mauer

DDR-Bürger flüchten in die Botschaften von Warschau und PragAuch in Warschau und Prag wurden die Botschaften der Bundesrepublik von DDR-Bürgern regelrecht gestürmt. Von Mitte August bis Ende September nimmt die Fluchtwelle ungeahnte Ausmaße an. Mehr als 6000 Flüchtlinge wollten mit der Besetzung ihre Ausreise aus der DDR erzwingen. Gleiches passierte zur selben Zeit in Warschau, auch hier waren rund 6000 Menschen bereit, mit der Besetzung der Botschaft der BRD die ständige Ausreise aus der DDR zu erzwingen. Dass das alles so lange dauern würde, lag auch an den “Betonköpfen” in der DDR Regierung. Ein Umdenken fand nicht statt, der Wille des Volkes, Veränderungen herbeizuführen wurde ignoriert. Stattdessen wurden Andersdenkende kriminalisiert und verfolgt. Doch der Freiheitswille der Ostdeutschen konnte nicht gebrochen werden. Nachdem Außenminister Hans-Dietrich Genscher in Prag die folgenschweren Worte “Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.” gesprochen hatte, konnten die Flüchtlinge in Prag und Warschau endlich ausreisen. Der Staat knickte ein und gab allmählich die Kontrolle aus der Hand. Auch wenn sich die DDR am 7. Oktober noch einmal groß feiern ließ, das Ende war nicht mehr aufzuhalten. Regierungsumbildung, die Öffnung der Mauer und neue Freiheiten nutzten da wenig. Bis zum Mauerfall, am 9.November, verließen noch viele Menschen die DDR, das marode System wurde durch den Mut, den die Demonstranten in allen Orten der Republik aufbrachten gestürzt. Nach dem 9. November konnten die Menschen dann problemlos in den Westen – egal ob zum besuch bei Verwandten und Bekannten oder für immer.

Graffiti an der Mauer

Nach dem Fall der MauerDer Fall der Mauer wirkte auf die DDR-Bürger wie die Befreiung von einem lange ertragenen Druck. Das Unfassbare war Wirklichkeit geworden – jetzt schien auf einmal alles möglich. Die Euphorie über die neu gewonnene Freiheit setzt sich in allen Ebenen der Gesellschaft durch. Täglich gab es Fortschritte. Die Medien rückten von ihrer Verkünderfunktion für das Regime ab und berichteten zum ersten Mal über Tabu-Themen, wie z.B. die von der Außenwelt abgeschottete Regierungssiedlung in Wandlitz mit ihren Privilegien für die Führungselite. Jeder konnte nun frei seine Meinung sagen ohne Repressionen fürchten zu müssen. Nachdem Erich Honecker am 17. Oktober 1989 als oberster Staatführer abgesetzt worden war, büßte schon einen Monat später sein Nachfolger Egon Krenz den größten Teil seiner politischen Macht ein. Tonangebend für die Politik im Lande war nun nicht mehr die SED und ihr Politbüro, sondern die “Regierung der nationalen Verantwortung”. Mit Hans Modrow wurde ein Ministerpräsident installiert, der zumindest formal den demokratischen Gepflogenheiten entsprach. Er hatte sich durch sein besonnenes Verhalten als Chef der SED-Bezirksleitung Dresden in der frühen Wendezeit hervorgetan. Die Volkskammer als höchste Vertretung im Lande wurde nun endlich ihrer Aufgaben gerecht und forderte Rechenschaft von den Regierenden ein. Einer der großen Momente war die Vorladung des Stasi-Chefs Erich Mielke, dessen Ausruf “Aber ich liebe doch alle!” nur höhnisches Gelächter hervorrief. Die Pressefreiheit kam zum Zuge, denn nun konnten auch Verlage gegründet werden, die nicht unter der Kontrolle der SED standen. Demokratische Wahlen wurden ausgerufen und damit die Entscheidung über die Zukunft des Landes in die Hände des Volkes gegeben. Hans Modrow intensivierte den Kontakt zu Bundeskanzler Helmut Kohl, der bereits im November einen Zehn-Punkte-Plan zur deutschen Einheit deklariert hatte. Mit dem Sturm auf die Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 fiel die letzte Bastion des alten Regimes.

Hund vor der Mauer

Eine Zeit voller HoffnungFür jeden, der diese Zeit im Osten erlebt hat, ist sie die schönste Erinnerung im Leben. Denn der Sturz einer Ordnung, die als unumstößlich galt und jeden Widerstand im Keim erstickt hatte, grenzte für alle an ein Wunder. Ein Wunder zu erleben, ist sonst nur wenigen vergönnt – und in diesem Fall waren es 16 Millionen. In Berlin herrschte auch nach den ersten Nächten der Maueröffnung weiter der Ausnahmezustand. Trabant-Parksünder in Westberlin wurden nicht bestraft, der illegale Umtausch von Ostmark in Westgeld blühte an allen belebten Orten, und die Schlangen vor den Auszahlbüros des Begrüßungsgeldes rissen lange nicht ab. Als sich die Einheit abzeichnete, machten viele Händler Kaufangebote, die erst später bezahlt werden mussten.

Aber es zeigte sich auch, dass der Wille des Volkes gegen das Regime nun in einzelne Positionen zerfiel. Die Ansichten, wie es mit der DDR weitergehen sollte, wurden konträr. Die Wahlen am 18. März 1990 brachten eine eindeutige Entscheidung: Die CDU hatte sich mit ihrem Programm der schnellen Wiedervereinigung Deutschlands klar durchgesetzt. Nun ging alles sehr schnell. Am 1. Juli 1990 trat die Währungsunion in Kraft, wodurch die D-Mark nun auch offizielles Zahlungsmittel in der DDR wurde. Im Sommer wurden in Windeseile der Einheitsvertrag aufgesetzt und die Zustimmung der Alliierten eingeholt. Am 3. Oktober 1990 war die DDR verschwunden.

Touristenshop an der ehemaligen Grenze

Von der Grenze zur TouristenattraktionVon 1949 bis 1989 war Deutschland geteilt. Symbolisches Herzstück dieser Teilung war die 1961 errichtete Berliner Mauer. Sie war mehr als eine Grenze – als Abriegelung Ostberlins gegen den Westen sperrte sie die Berliner beider Seiten ein bzw. aus und trennte ganze Familien. Im August 1961 wurde die Grenze zunächst mit Straßensperren und Stacheldraht provisorisch abgesteckt und zudem das Brandenburger Tor geschlossen. Anschließend begann die Errichtung der eigentlichen Mauer. Im Juni 1962 wurde parallel zur ersten eine zweite Mauer errichtet. Zwischen den beiden Mauern entstand so der berüchtigte Todesstreifen. Die Grenze wurde strengstens bewacht und mit Waffengewalt verteidigt. Zwischen 136 und 245 Personen verloren dort als Mauerflüchtlinge ihr Leben. Das erste Opfer der Berliner Mauer wurde bereits am 24. August 1961 erschossen – nur 11 Tage nach Beginn des Mauerbaus forderte die Grenze ihren Tribut.

In den Folgejahren wurde die Grenzsicherung immer weiter ausgebaut. 1963 wurde ein Grenzgebiet deklariert, das von DDR-Bürgern nur mit Sonderausweis, von Angehörigen anderer Staaten überhaupt nicht betreten werden durfte. Bis 1974 wurden Beobachtungstürme entlang der Grenze, eine dritte und später eine vierte Mauer, ein Stacheldrahtzaun und Grenzsignalzäune errichtet. Aus der einfachen Grenze zwischen zwei Besatzungszonen wurde so ein hochmilitarisierter Grenzstreifen, der Regelverstöße schnell mit dem Tod bestrafte. Nur wenige Grenzübergänge verbanden Ost und West. Einer der heute bekanntesten ist der Checkpoint Charlie, ein Kontrollpunkt zwischen den Bezirken Mitte im Osten und Kreuzberg im Westen. Auch der Bahnhof Friedrichstraße war als “Tränenpalast”, in dem die Bürger Ostberlins ihre westlichen Verwandten verabschieden mussten, berühmt-berüchtigt.

Was bleibt: Karl Marx, Wachturm, Sandmännchen

Mauermuseum, Brandenburger Tor und Gedenkstätte Berliner Mauer25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist auf den ersten Blick wenig von ihr geblieben. Berlin ist zusammengewachsen und es ist mitunter schwierig, den Grenzverlauf heute nachzuvollziehen. Dennoch ist die Berliner Mauer eine der Hauptattraktionen der Stadt. Kleine Mauerbruchstücke sind ein beliebtes Mitbringsel unter den Touristen, und Erzählungen rund um Mauer und Mauerflucht dürfen auf keiner Stadtführung fehlen. Obwohl die Mauer abgebaut wurde, gibt es einige Gedenkstätten, an denen ihrer Symbolik und natürlich der Opfer gedacht werden kann.

So kann am berühmten Checkpoint Charlie das Mauermuseum besucht werden. Es wurde bereits 1963 eröffnet und ist heute eines der meistbesuchten Museen Berlins. Es vermittelt dem Besucher die Dimensionen der Grenzziehung – neben den Grenzanlagen werden heute auch Fluchtwege und -mittel vorgestellt. Auch das symbolträchtige Brandenburger Tor ist für Mauerinteressierte einen Besuch wert: wo früher bewaffnete Grenzsoldaten standen, können Einheimische und Besucher heute ungehindert durch das Tor hindurchgehen.

Wer sich die Grenzanlagen heute noch anschauen möchte, hat in der Bernauer Straße die Möglichkeit dazu. Hier befindet sich die Gedenkstätte Berliner Mauer, die unter anderem ein noch erhaltenes Teilstück der Grenzbefestigungen zeigt. Ein angeschlossenes Dokumentationszentrum informiert die Besucher über die Geschichte der Mauer und das Leben in ihrem Schatten. Eine weitere Möglichkeit für Touristen, sich über den Verlauf und die Konsequenzen der Berliner Mauer zu informieren, bietet die Geschichtsmeile Berliner Mauer. Sie ist nicht zentral an einem Ort zu besuchen, sondern besteht aus einzelnen Informationstafeln, die an augewählten Stellen des historischen Grenzverlaufs beispielsweise auf Fluchtversuche hinweisen. So bietet Berlin historisch interessierten Besuchern vielfältige Möglichkeiten, sich mit der Mauer auseinanderzusetzen.

Mauerreste an der Wilhelmstraße

Die Mauer als DenkmalDie Berliner Mauer, weltweit bekanntes Symbol der deutschen Teilung, ist schon seit 1998 eine Gedenkstätte, die an die Todesopfer und an die Berliner Teilung erinnert. Der Beginn des Ausbaus zum Denkmal begann bei der Bernauer Straße, sukzessive wurde das “Denkmal Berliner Mauer” dann erweitert. Im Jahr 2014 gehören dazu:

• Kapelle der Versöhnung
• Dokumentationszentrum Berliner Mauer
• Teilstück der Grenzanlagen über sechzig Meter
• Fenster des Gedenkens
• Besucherzentrum

Entstehung des Denkmals “Berliner Mauer”
Im Jahr 1994 beauftragte die Bundesregierung nach dem Beschluss zur Denkmalerrichtung das Deutsche Historische Museum mit einem Ideenwettbewerb zur Gedenkstätte, den das Architekturbüro Kohlhoff & Kohlhoff gewann. Die Architekten gliederten das zur Gedenkstätte gehörende Gelände in vier Themengebiete:
• Mauer der Todesstreifen
• Zerstörung der Stadt
• Bau der Mauer
• Geschehnisse an der Mauer

Der Ausbau des Denkmals erfolgte innerhalb der nächsten Jahre entsprechend den finanziellen Möglichkeiten des Landes Berlin und des Bundes sowie der fortschreitenden Konzeption zum Denkmal Berliner Mauer, die immer noch neue Ideen aufgreift. So wurde das Besucherzentrum zum Jahrestag 09.11.2009 am Punkt Bernauer Straße / Ecke Gartenstraße eröffnet, hier finden Besucher Informationen über die gesamte Gedenkstätte. Seit 2010 gibt es das “Fenster des Gedenkens” an einer der Außenflächen, die nach Westen in Richtung des Nordbahnhofs zur Erinnerungslandschaft ausgebaut werden. Dieses Fenster des Gedenkens ist eine Wand über 12 Meter, die aus rostendem Stahl besteht und in Fenstern die Porträts der 136 Todesopfer an der Mauer mit ihren Lebensdaten darstellt. Am Ort des Fensters des Gedenkens befand sich bis in die frühen 1960er Jahre der Sophienfriedhof, den die DDR-Führung dann für den Ausbau der Grenzanlagen entwidmen ließ.

Grenzanlage als Teil des Denkmals Berliner Mauer
Ein Teil der Gedenkstätte ist ein Stück der Grenzanlage über 60 Meter, die original im letzten Ausbauzustand erhalten wurde, wie er zum Zeitpunkt des Mauerfalls bestand. Hinter der tatsächlichen Mauer direkt an der Grenze zum Stadtgebiet Westberlins folgt eine Sandfläche, dann der von Laternen beleuchtete Kolonnenweg, anschließend ein Signalzaun sowie die Hinterlandmauer tiefer im Territorium Ostberlins. Diese Hinterlandmauer war die “Mauer” für die Bürger der DDR, schon der Versuch ihrer Überwindung konnte tödlich enden. Die Chancen, über das schwer bewachte Zwischenstück und schließlich über die Mauer direkt an der Westgrenze zu gelangen, waren äußerst gering, wie die wenigen gelungenen Fluchtversuche und die vielen Toten belegen. Die Grenzanlage als Teil der Gedenkstätte trägt heute eine Inschrift, die dem Gedenken an die Teilung Berlins und an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft gewidmet ist.

Dokumentationszentrum, Kapelle der Versöhnung und Roggenfeld
Das Dokumentationszentrum beherbergt Ausstellungen und Seminarräume, auch einer der Wachtürme ist erhalten. Die “Kapelle der Versöhnung” ist tatsächlich eine neu errichtete Kirche (Architekten: Peter Sassenroth, Rudolf Reitermann) in ovaler Form, die Fassade besteht aus Holzstäben, innen errichtete der Künstler Martin Rauch einen Andachtsraum in Stampflehmbauweise. Beim Bau der Kapelle der Versöhnung wurden Glocken der durch die Kommunisten abgerissenen Versöhnungskirche eingesetzt. Das Roggenfeld wächst seit 2005 auf dem früheren Todesstreifen, die Idee hatte Michael Spengler. Der Roggen, der geerntet und verarbeitet wird, schlägt als Assoziation einen sehr weiten Bogen der Berliner Geschichte von der ersten Besiedlung über alle Wirren, auch den Todesstreifen, bis zur Gegenwart.

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HINTERM HORIZONT - 25 Jahre Mauerfall
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